Rotes Hoehenvieh alter Zuchtrichtung

Rotes Höhenvieh – gestern, heute, morgen

Das Rote Höhenvieh ist eine der urtümlichsten Rinderrassen Europas und wird wegen seiner langen Präsenz in den deutschen Mittelgebirgen, auch als Keltenrind bezeichnet. Auf historischen Weihnachts-Krippendarstellungen des vergangenen Jahrtausends ist in Malerei und Plastik schon der heutige Typ dieser Urrasse deutlich zu erkennen.
Einer früheren Zuordnung von Rinderrassen entsprechend, wurde das Rote Höhenvieh als „Naturrasse“ klassifiziert; das bedeutet, dass nicht nur menschliche Selektion sondern auch die Umweltbedingungen maßgeblich zur Entstehung der Rasse beigetragen und die Entwicklung des Keltenrindes bestimmt haben.
Beides, Umwelteinflüsse und menschliche Selektion, haben bewirkt, dass sich in den Ausgangspopulationen positive Eigenschaften, wie gute Umgangsformen, Zutraulichkeit, gute Futterverwertung, Leichtkalbigkeit und hervorragendes Mutterkuhverhalten herausgebildet haben und diese Rasse bis in unsere Zeit ausmachen.
Das Rote Höhenvieh eignet sich wegen der ursprünglichen Verwendung als Dreinutzungsrind mit ausgeprägter Milchkomponente in besonderer Weise als Robust- und Mutterkuhrasse, weil die vergleichsweise gute Milchleistung eine progressive Gewichtszunahme bei den Kälbern ermöglicht, ohne dass eine zusätzliche Versorgung mit Kraftfutter nötig wäre. Weiterhin wird diese Rinderrasse geschätzt, weil sie auf sensiblen Flächen auffallend geringe Trittschäden verursacht.
In den 1950er/ 1960er Jahren wurde das Rote Höhenvieh durch andere Rinderrassen verdrängt, die eine höhere Milchleistung brachten, oder auch durch Fleischrassen aus dem benachbarten Ausland, die bei intensiver Mast schnell höhere Gewichtszunahmen zeitigten. Durch die Technisierung in der Landwirtschaft war der Nutzungsschwerpunkt des Roten Höhenviehs als Arbeitsrind nicht mehr gefragt. Ende der 1970er Jahre gab es – auch wegen der Vernachlässigung der Betriebe, die weiterhin Rotes Höhenvieh halten- und züchten wollten – nur noch wenige Kühe in den Mittelgebirgsregionen, die Rote Höhenviehgenetik enthielten.
Schließlich war es eine kleine Gruppe von Idealisten, die im Erhalt der Rasse gleichzeitig den Erhalt eines Jahrtausend alten Kulturgutes sahen und sofort Initiative ergriffen, als zufällig ein Sperma- Vorrat eines anerkannten Zuchtbullen (Uwe R 12) in Giessen entdeckt wurde. Seither gelang es dieser Interessengruppe, durch Anpaarung mit den letzten noch lebenden Kühen mit erheblichem finanziellem und logistischem Aufwand, die Rasse auf der Grundlage der erhaltenen Genetik wieder zu beleben und erneut eine Zuchtbasis zu schaffen.
Es ist Sinn und Absicht unseres Vereins, die Erhaltungszucht des Roten Höhenviehs unter Berücksichtigung hoher Blutanteile der Ursprungspopulation voranzutreiben und die Rasse in Typ und Leistung züchterisch zu entwickeln und zu verbessern.

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